Weltweit sind sehr viele Menschen gezwungen, ihre Heimatländer zu verlassen, um ihr Leben und ihre Freiheit zu retten. Kaum ein Land will die Flüchtlinge aufnehmen und wenn es ihnen doch gelingt irgendwo Unterschlupf zu finden, so meist nur unter großen Schwierigkeiten und unter Inkaufnahme vieler Einschränkungen an Lebensqualität. Für Frauen ist die Flucht in den meisten Fällen noch schwieriger als für die Männer, da sie oft keine eigene, unabhängige ökonomische Basis haben, ja in vielen Fällen überhaupt nie gelernt haben, selbständig und ohne Beziehung zu einem Mann (zunächst zum Vater, später zum Ehemann) zu leben.

Frauen auf der Flucht – spezifische Problematik für weibliche Flüchtlinge

Flucht heißt also für diese Frauen zunächst einmal die Hemmschwelle zum eigenständigen Handeln zu überschreiten und sich dann, allen Widrigkeiten zum Trotz, auf den Weg zu machen. Fliehen ist eine teure Angelegenheit, auch hier haben Frauen ohne eigenes Einkommen noch schlechtere Voraussetzungen als Männer, die ja immerhin die Chance hatten, von ihrem – wenn auch oft geringen Verdienst – etwas zur Seite zu legen. Sind sie dann unterwegs, so sind die weiblichen Flüchtlinge wiederum noch mehr gefährdet, als ihre männlichen Leidensgenossen. Nicht nur die Gefahren und Schwierigkeiten der Flucht an sich müssen überstanden werden, sondern auch die immer lauernde Bedrohung, von Männern – seien es andere Flüchtlinge, oder irgendwelche Begegnungen unterwegs, oder nicht zuletzt auch die Betreuer und Beamten im Fluchtland – als Freiwild wahrgenommen zu werden.

Diskriminierung von Ausländerinnen

Nach erfolgreicher Flucht und der Anerkennung als Asylberechtigte bleiben Frauen immer noch Frauen und auch im „freien Westen“ ist die Gleichberechtigung noch nicht uneingeschränkt angekommen. Neben der Diskriminierung als Ausländerinnen bleibt immer auch die Diskriminierung als Frau bestehen, die Ausländerinnen gegenüber noch verstärkt zum Ausdruck kommt. Sie werden als Opfer wahrgenommen, als nicht emanzipierte Frauen eingeschätzt und als solche auch entsprechend nicht emanzipiert behandelt.

Fluchtgründe für Frauen

Neben all diesen besonderen Problemen weiblicher Fluchtgeschichten dürfen aber auch die spezifischen Fluchtgründe von Frauen nicht vergessen werden. Auch Frauen werden aus politischen Gründen verfolgt, auch Frauen verlassen ihre Heimatländer, weil sie sich und ihre Kinder nicht ernähren können, aber für sie gibt es noch mehr Anlässe, ihrer Heimat den Rücken zu kehren.

Ein besonders grausamer ist die Genitalverstümmelung von Mädchen. Will eine Mutter dies ihrer Tochter ersparen, so bleibt oft kein Ausweg als die Flucht. Ein anderer Fluchtgrund ist die in vielen Ländern immer noch übliche Zwangsverheiratung von jungen Frauen oder sogar Mädchen. Will sich eine junge Frau der Verheiratung mit einem ungeliebten oder sogar unbekannten, oft wesentlich älteren, Ehemann entziehen, so bleibt meist nur die Flucht, um das eigene Leben zu retten. Wer sich der vorgeschriebenen Zwangsheteronormativität nicht unterwerfen will, wessen sexuelle Identität nicht in die Gesellschaft passt, muss in vielen Ländern um Leib und Leben fürchten (das trifft auch homosexuelle Männer).

Frauen auf dem Weg zur Selbstbestimmung sind starke Frauen

Schon allein der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben, nach unabhängiger ökonomischer Lebensweise, ist in vielen Gesellschaften Grund genug, das Herkunftsland verlassen zu müssen. Und nicht zuletzt ist die Vergewaltigung von Frauen in Kriegen nach wie vor ein beliebtes Mittel, um den Feind zu demütigen. Frauen sind also auch in Kriegshandlungen doppelt gefährdet und selbst wenn der Krieg zu Ende ist, werden sie oft von ihren eigenen Leuten noch dafür bestraft, was ihnen angetan wurde.

Die Frauen, die letztendlich allen Schwierigkeiten und Gefahren zum Trotz ein Land gefunden haben, das sie aufnimmt, die Frauen, die bei uns ankommen, sind starke Frauen. Sie brauchen zwar unsere Unterstützung, da sie fremd sind, die Sprache zunächst nicht sprechen und mit der Infrastruktur nicht vertraut sind, aber wir dürfen dennoch in ihnen nicht nur die schwachen Opfer sehen, die von uns mit herablassendem Gutmenschentum begleitet werden. Im Gegenteil, wir können von ihrer Stärke lernen und uns gegenseitig voranbringen, wenn wir nur bereit sind, uns auf Augenhöhe zu begegnen.